webmaster@asql.de
Wittgenstein: Tractatus logico philosophicus Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist. [1.1] Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge. [1.21] Eines [eine Tatsache] kann der Fall sein oder nicht der Fall sein und alles übrige gleich bleiben. [2] Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten. [2.01] Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen (Sachen, Dingen). [2.0124] Sind alle Gegenstände gegeben, so sind damit auch alle möglichen Sachverhalte gegeben. [2.02] Jeder Gegenstand ist einfach. [2.0201] Jede Aussage über Komplexe läßt sich in eine Aussage über deren Bestandteile und in diejenigen Sätze zerlegen, welche die Komplexe vollständig beschreiben. [2.061] Die Sachverhalte sind voneinander unabhängig. [2.1] Wir machen uns Bilder der Tatsachen. [2.14] Das Bild besteht darin, daß sich seine Elemente in bestimmter Art und Weise zueinander verhalten. [2.21] Das Bild stimmt mit der Wirklichkeit überein oder nicht; es ist wahr oder falsch. [2.223] Um zu erkennen, ob ein Bild wahr oder falsch ist, müssen wir es mit der Wirklichkeit vergleichen. [3.001] 'Ein Sachverhalt ist denkbar' heißt: Wir können uns ein Bild von ihm machen. [3.003] Wir können nichts Unlogisches denken, weil wir sonst unlogisch denken müßten. [3.032] Etwas der Logik Widersprechendes in der Sprache darstellen, kann man ebensowenig, wie ... Koordinaten eines Punktes angeben, der nicht existiert. [3.22] Der Name vertritt im Satz den Gegenstand. [3.221] Ein Satz kann nur sagen, wie ein Ding ist, nicht, was es ist. [3.3] Nur der Satz hat Sinn; nur im Zusammenhang des Satzes hat ein Name Bedeutung. [4.1] Der Satz stellt das Bestehen und Nichtbestehen der Sachverhalte dar. [4.11] Die Gesamtheit der wahren Sätze ist die Gesamtheit der Naturwissenschaften. [4.111] Die Philosophie ist keine der Naturwissenschaften. [4.112] Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken. Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit. Das Resultat der Philosophie sind nicht philosophische Sätze, sondern das Klarwerden von Sätzen. [4.21] Der einfachste Satz, der Elementarsatz, behauptet das Bestehen eines Sachverhaltes. [4.241] 'a=b' heißt: Das Zeichen 'a' ist durch das Zeichen 'b' ersetzbar. [4.26] Die Angabe aller wahren Elementarsätze beschreibt die Welt vollständig. [4.462] Tautologie und Kontradiktion sind nicht Bilder der Wirklichkeit. [5] Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der Elementarsätze. [5.3] Alle Sätze sind Resultate von Wahrheitsfunktionen mit den Elementersätzten. [5.6] Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenze meiner Welt. [5.632] Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt. [5.633] Das Auge siehst Du wirklich nicht. [5.641] Das Ich tritt in die Philosophie dadurch ein, daß die 'Welt meine Welt ist'. [6.1] Die Sätze der Logik sind Tautologien. [6.11] Die Sätze der Logik sagen also nichts. [6.1222] Nicht nur muß ein Satz der Logik durch keine mögliche Erfahrung widerlegt werden können, sondern er darf auch nicht durch eine solche bestätigt werden können. [6.1223] Wir können logische Wahrheiten insofern fordern, als daß wir eine genügende Notation fordern. [6.2] Die Mathematik ist eine logische Methode. [6.34] Alle jene Sätze, wie der Satz vom Grunde, von der Kontinuität der Natur, ... sind Einsichten a priori über die mögliche Formgebung der Sätze der Wissenschaft. [6.36311] Daß die Sonne Morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird. [6.37] Es gibt nur logische Notwendigkeiten. [6.41] Der Sinn der Welt muß außerhalb ihrer liegen. In der Welt ist alles wie es ist und geschieht alles wie es geschieht; es gibt in ihr keinen Wert, - und wenn es ihn gäbe, so hätte er keinen Wert. [6.42] Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts Höheres ausdrücken. [6.4311] Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt. Unser Leben ist ebenso endlos, wie unser Gesichtsfeld grenzenlos ist. [6.44] Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist. [6.5] Zu einer Antwort, die man nicht aussprechen kann, kann man auch die Frage nicht aussprechen. Das Rätsel gibt es nicht. Wenn sich eine Frage überhaupt stellen läßt, so kann sie auch beantwortet werden. [6.52] Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort. [6.521] Die Lösung des Problems des Lebens merkt man am Verschwinden dieses Problems. [6.622] Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies zeigt sich, es ist das Mystische. [6.53] Die richtige Methode der Philosophie wäre eigentlich die: Nichts zu sagen, als was sich sagen läßt, also Sätze der Naturwissenschaft - also etwas was mit Philosophie nichts zu tun hat - , und immer dann, wenn ein anderer etwas Metaphysisches sagen wollte, ihm nachweisen, daß er gewissen Zeichen in seinen Sätzen keine Bedeutung gegeben hat. [6.54] Meine Sätze erläutern dadurch, daß die der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie - auf ihnen - über sie hinaufgestiegen ist. (Er muß sozusagen die Leiter wegwerfen, nachdem er auf ihr hinaufgestiegen ist.) Er muß die Sätze überwinden, dann sieht er die Welt richtig. [7] Wovon man nicht sprechen kann, davon muß man schweigen.